daniel meyerInterview mit Daniel Meyer, Vorstandsmitglied von Promarca und Managing Director Mondelez Schweiz GmbH

Herr Meyer, was ist für Sie «typisch schweizerisch«?

Typisch schweizerische Eigenschaften sind für mich Verlässlichkeit und Genauigkeit. Dazu zählen auch Pünktlichkeit und ein hoher Qualitätsanspruch, gepaart mit der Lust an Erfindung und Innovation und dem Willen, den eigenen Weg sehr konsequent zu gehen.

In vielen Ländern gelten Produkte mit einem abgebildeten Schweizerkreuz als sinnbildlich für hohe Qualität. Wie hat sich das Schweizer Emblem diesen Ruf erarbeitet?

Nicht das Schweizerkreuz an sich hat sich diesen Ruf erarbeitet, sondern Menschen und Unternehmen in der Schweiz. Unser Schweizerkreuz ist das verbindende Symbol zwischen vielen herausragenden Leistungen und Produkten, welche Menschen und Unternehmen in diesem Land entwickelt und erfolgreich exportiert haben. Unsere Produkte unterscheiden sich von denen anderer Länder durch die Freude an Qualität und Innovation und einem Verständnis dafür, dass sich diese Eigenschaften auch im Preis widerspiegeln.

Nun steht das Prinzip Swissness unter Druck. Die neue Gesetzesregelung droht die Ausstrahlungskraft von Schweizer Produkten zu schwächen, indem der Anreiz minimiert wird, das Label Schweiz international zu verwenden. Wo sehen Sie konkret Gefahren?

Swissness ist speziell aus Sicht der Nahrungsmittelmarken problematisch. Das starke Image von Schweizer Nahrungsmitteln ist der Industrie und dem Gewerbe zu verdanken. Nun hat die Politik beschlossen, die Produzenten zu schützen, obwohl dieser Schutz bereits durch das bestehende Lebensmittelrecht gegeben ist. Mit der Verpflichtung zum Einsatz von mindestens 80 Prozent in der Schweiz produzierbaren Agrarrohstoffen erhalten die Bauern so etwas wie eine gesetzlich abgesicherte Absatzgarantie für ihre Rohstoffe. Dies hat zur Folge, dass die Produzenten von Schweizer Nahrungsmittelmarken verpflichtet sind, auf deutlich teurere Schweizer Rohstoffe zurückzugreifen. Dies führt zu höheren Preisen und somit zu einem Nachteil für den Konsumenten. Und das obwohl wir bei- spielsweise von unseren Toblerone-Konsumenten wissen, dass für sie die Produktion der Schokolade in der Schweiz massgeblich ist für ihr Vertrauen in die Marke und nicht die Frage nach der Rohstoffherkunft. Es geht primär um Swiss Made und nicht um Schweizer Zutaten.

Wie könnte man das Dilemma lösen?

Es gibt vereinfacht gesehen zwei Möglichkeiten, Schweizer Schokolade und Getreideprodukte weiterhin erfolgreich zu exportieren: Entweder wir beziehen Rohstoffe zu kompetitiven Preisen aus dem Ausland, oder die Schweizer Rohstoffproduzenten definieren zusammen mit der Politik ein Ausgleichsmodell, welches den Rohstoffkosten-Nachteil beim Export regelt. Eine gänzlich andere Option wäre die vollständige Liberalisierung des schweizerischen Agrarmarktes. Wir verstehen aber, dass die Auswirkungen dieses Szenarios auf die Schweizer Landwirtschaft enorm wären und sowohl die politischen wie auch die gesellschaftlichen Konsequenzen intensiv diskutiert werden müssten.

In eine ähnliche Richtung wie die Swissness-Gesetzgebung drängt auch die Aufhebung des «Schoggigesetzes». Die WTO untersagt grundsätzlich Exportsubventionen. Bis 2021 muss die Schweiz einen WTO-kompatiblen Ersatz für das Gesetz finden, welches die Schweizer Marken im Ausland bis jetzt gestärkt hat. Wo sehen Sie hier Lösungen?

Auf dem Weltmarkt haben wir langfristig nur eine Chance, wenn wir die Zutaten zu konkurrenzfähigen Preisen beschaffen können. Wir sind daher auf ein funktionierendes System zum Ausgleich der Rohstoffpreis-Differenz zum Ausland angewiesen. Diese WTO-kompatiblen Ersatzmassnahmen für das Schoggigesetz müssen so gut sein, dass wir weiterhin Schweizer Rohstoffe auch für den Export unserer Produkte verarbeiten können. In der Diskussion geht oft unter, dass die Exporte der Schweizer Nahrungsmittelindustrie eine wichtige Funktion bei der Stabilisierung des Milchmarktes haben. Ohne Export müssen Schweizer Agrarrohstoff-Überschüsse anderweitig abgebaut werden.

Wo soll Promarca in nächster Zukunft ihre Schwerpunkte setzen?

Die Verbandstätigkeit hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Der zunehmende Regulierungsdruck aus dem Parlament führt zu immer neuen politischen Entwicklungen. Viele dieser Themen werden vereinfacht und popularisiert. Der Verband kann hier auch in Zukunft positive Akzente setzen durch das Einbringen einer differenzierten Betrachtung und von konstruktiven Lösungsansätzen. Der Verband vertritt Hersteller von Markenprodukten, die dank der langjährigen liberalen Wirtschaftspolitik mit zum Wohlstand und Ansehen der Schweiz beigetragen haben. Es ist wichtig, dass der Verband zu Vorstössen auf politischer Ebene Stellung nimmt und an ganzheitlichen guten Lösungen für die Zukunft arbeitet.

Auf welche Verbands-Erfolge aus der jüngeren Vergangenheit blicken Sie gerne zurück?

Einerseits konnten wir bei der Revision des Kartellgesetzes vor ein paar Jahren erfolgreich zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen, und andererseits hat sich Promarca auch bei der Swissness-Diskussion mit klaren Aussagen zu Wort gemeldet. Auch wenn dies nicht zu einer Ablehnung dieser Vorlage im Parlament geführt hat, so hat es jedenfalls zu einer Sensibilisierung bei der Interpretation der Umsetzung beigetragen.

Ebenso wichtig ist die führende Rolle, die unser Verband beim Verein «Stop Piracy» spielt und so aktiv über das Thema Fälschungen und Nachahmungen bei Konsumenten, Behörden und der Wirtschaft informiert.