Interview mit Arnold Furtwaengler, seit 2011 CEO bei Wander AG

Die Wander AG hält hartnäckig am Standort Schweiz fest und holte 2016 die Produktion der erfolgreichen Ovomaltine Crunchy Cream von Belgien nach Neuenegg. Arnold Furtwaengler, General Manager der Wander AG, verrät sein Erfolgsrezept.

Herr Furtwaengler, Ovomaltine ist eine der stärksten Schweizer Marken – 97 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer kennen die Marke. Auf welchen Werten baut dieser Erfolg auf?
Die positive Energie, welche die Marke ausstrahlt, ist unser Kern. Ovomaltine ist eine aktive, lebensbejahende Marke. Und alle Produkte haben den einzigartigen Ovomaltine-Geschmack. Wir profitieren sehr von der Sympathie, welche die Marke in über 100 Jahren gesammelt hat – unsere Vorgänger haben vieles richtig gemacht.


Ovomaltine war bereits wenige Jahre nach ihrer Erfindung vor über 100 Jahren so erfolgreich, dass sie gleich an mehreren Standorten auf der Welt produziert wurde. Wo ist die Marke heute besonders beliebt?
Unser grösster internationaler Markt ist Thailand, wo es die «Ovaltine» seit 80 Jahren gibt. Auch in Brasilien, Nigeria, Myanmar, Deutschland, Österreich und England ist die Marke stark. Produziert wird sie nur noch in der Schweiz, in Thailand und in China. Mit dem Brotaufstrich Ovomaltine Crunchy Cream eröffnen sich nun ganz neue Märkte, sogar in asiatischen Ländern, wo traditionellerweise kein Brot zum Frühstück gegessen wird.


Erfunden wurde das Malzgetränk Ovomaltine, um mangelernährte Kinder zu stärken. Heute positionieren Sie die Marke eher über neue Produkte wie den Brotaufstrich, Müesli, Riegel, Biscuits und Schokolade. Hat die traditionelle Ovomaltine ausgedient?
In Myanmar und anderen Ländern wird Ovomaltine noch immer als Aufbaugetränk getrunken. Bei uns hingegen macht das Pulver nur noch 20 Prozent der Gesamtproduktion aus – vor 20 Jahren waren es noch 80 Prozent. Wir haben es als Traditionsmarke geschafft, erfolgreich neue Konzepte umzusetzen, die dem veränderten Konsumverhalten entsprechen.


2016 haben Sie die Produktion von Ovomaltine Crunchy Cream von Belgien in die Schweiz geholt. Weshalb?
Der Brotaufstrich war so erfolgreich, dass wir die Produktion nicht mehr einem Partner überlassen wollten. Der Produktionsstandort Neuenegg war die bessere Lösung als Polen – auch wirtschaftlich. Wir können hier Synergien nutzen und die Transportwege verkürzen: Ovomaltine Crunchy Cream besteht zu einem Drittel aus Ovomaltinepulver, welches hier produziert wird.
Die meisten anderen Firmen gehen den umgekehrten Weg und verlagern die Produktion ins Ausland.
Die anderen gehen Richtung Osten. Wir nicht. Wir schwimmen gerne gegen den Strom. Uns gefällt dieses Antizyklische, es passt zu unserer Marke. Wir waren überzeugt: Wenn wir intelligent vorgehen, ist es auch in der Schweiz möglich, wettbewerbsfähig zu produzieren. Das wollten wir beweisen.


Was sagte der Mutterkonzern Associated British Foods (ABF), zu dem die Wander AG seit 2002 gehört, zu Ihrem Vorhaben?
Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit immer wieder beweisen. Als ich meinem Boss die Pläne für die Verlagerung vorlegte, fragte er mich, ob das mein Ernst sei. Doch dann konnten wir ihn davon überzeugen, dass dies auch für ABF die beste Lösung ist.

 


Sie halten auch sonst hartnäckig am Standort Schweiz fest. In Neuenegg stellen Sie jährlich insgesamt 20 000 Tonnen Fertigprodukte her – neben Ovomaltine produzieren Sie auch die Marken Caotina und Isostar und vermarkten zusätzlich Twinings. In den vergangenen Jahren investierten Sie über 35 Millionen Franken in den Standort Schweiz. Was treibt Sie an?
Ovomaltine – mit über 50 Prozent Umsatz unsere stärkste Marke – ist ein Teil der Schweiz, und zu diesem Teil wollen wir Sorge tragen. Seit 2002 wird sie für den europäischen Raum ausschliesslich in der Schweiz hergestellt. Auch die Swissness ist in vielen europäischen Ländern wichtig. Qualität und höchster Schokoladegenuss werden dort mit der Schweiz gleichgesetzt. Mein persönlicher Antrieb ist auch ein gesellschaftspolitischer: Ich möchte die Arbeitsplätze in der Schweiz erhalten. Letztendlich gelingt dies jedoch nur, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben.


Wie schaffen Sie dies trotz hohen Löhnen und starkem Franken?
Dank der Automatisierung verlieren die Schweizer Löhne an Gewicht. Mit der Produktion von täglich 50 000 Gläsern Brotaufstrich schufen wir in der Schweiz lediglich sechs zusätzliche Stellen. Es geht nicht darum, möglichst viele Arbeitsplätze zu schaffen, sondern die vorhandenen zu stärken, indem wir mit wenigen, aber hochqualifizierten und motivierten Mitarbeitenden mehr produzieren. Das ist das Erfolgsrezept für die Schweiz. Die bestens ausgebildeten Fachkräfte, die wir dank dem dualen Bildungssystem auf allen Stufen finden, sind ein wichtiger Standortvorteil der Schweiz.


Welche Rolle spielt für Sie der Verband Promarca?
Der Verband vertritt uns in Bundesbern und setzt sich für wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen ein. Diese sind für die Industrie enorm wichtig. Promarca sorgt dafür, dass unsere Interessen bei politischen Beschlüssen vermehrt wahrgenommen werden. Gemeinsam können wir einiges bewegen. Bei der Swissness-Vorlage beispielsweise hat sich Promarca sehr engagiert eingebracht und uns sogar den Zugang zum Bundesrat verschafft, damit wir unsere Anliegen vorbringen konnten.